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Juli 10, 2009

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Aliens

Würde man es einem Lebewesen verübeln, dessen Planet im Sterben liegt, einen anderen Planeten übernehmen zu wollen, um dort eine neue Existenz aufzubauen?
Dieses Szenario greift H.G. Wells in seinem Roman „The War of the worlds“ auf.(1)  In dessen Verlauf nehmen die Marsianer den Krieg gegen die Erde auf, mit der Absicht diese zu bevölkern. Nicht Kolonisationseifer sondern blanker Überlebenswille treibt sie an, ihr Fortbestehen zu erkämpfen. Selten werden im Science Fiction die Szenarien anders geschildert. Lebewesen von anderen Sternen und Galaxien sind der Erde so gut wie nie freundlich gesinnt. Es stellt sich die Frage, woran das liegt ?
Der Wunsch des Konsumenten nach Unterhaltung ist groß. Selten wird eine Geschichte mit einem charakterlich guten Alien besonders spannend, lustig oder abendfüllend empfunden. Eine der wenigen Ausnahmen bildet die Sitcom „ALF“(2), die seit den 90ern im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird.
Die Liste der Filme jedoch, in denen spektakuläre Figuren ihren Auftritt feiern, um dem Publikum einen Schauer über den Rücken zu jagen, ist lang.
Aber woher kommt dieses Faible für bizarre, kämpferische und angsteinflößende Kreaturen, die eigentlich eher dem Genre des Horrors zugesprochen werden müßten?
Angst und Ekel beherrschen den Betrachter. Weder Sigmund Freud, noch Aurel Kolnai(3)  bezeichnen den Ekel als etwas durchweg schlechtes. Der Ekel geht, dringt man in die Tiefenpsychologie des Menschen vor, immer mit dem Gefühl der Lust einher. Kolnai bezeichnet den Ekel als Form einer Abwehrreaktion des Körpers. Moderne Psychologen sehen weiterführend in ihm einen übertriebenen Reflex, ausgelöst durch die Beurteilung einer ungenießbaren Nahrung. Die auslösenden Objekte bewirken jedoch gleichzeitig eine Form der Abstoßung, sowie der Anziehung. Das Gleiche gilt für die Auswirkung der Empfindung Angst oder Furcht.
Diesen Effekt macht sich besonders die Filmbranche zu nutzen. Der Künstler H.R. Geiger entwickelt für den Film „Alien“ 1979 von Ridley Scott eine Figur, die in brillanter Weise dem Betrachter eine Illusion von einer fremden Spezies vorgibt, ohne sich weit von bekannten Schemen der Vorstellungswelt des Science-Fiction und der Abneigung gegenüber manchen reellen Dingen wegzubewegen. Spinnen oder skorpionartige Vorlage für das erste Stadium der Entwicklung des Aliens, humanoide Anzeichen, kombiniert mit amphibienähnlichen Merkmalen, im weiteren Stadium. Das „nicht von dieser Welt„ stimmt hier nur bedingt. Kein Armutszeugnis, eher eine Bestätigung dafür, dass selbst geniale Köpfe, die sich lange und intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt, ebenfalls Probleme haben sich ohne die Hilfe bekannter Formen und Materilien eine eigenständige und absolut neue Bilderwelt zu entwickeln. Die Vorstellungskraft oder auch Fantasie beschränkt sich auf die Reflexion und Abstraktion von bereits im Kopf durchlaufenen Bildern, die sich als Erinnerungsbilder in der „Innenwelt“ zeigen.
Ein weiteres Kapitel betrifft bestimmte zugewiesene Charaktermerkmale von Aliens.
Es besteht die Vorstellung, dass etwas Fremdes bekanntermaßen nicht unbedingt etwas Gutes verheißt. Der Mensch kategorisiert und teilt ein und zwar immer mit Blick auf einen vorgehaltenen Spiegel. Je mehr das Bild seinem eigenen Spiegelbild gleicht und somit die verwandtschaftliche Nähe zunimmt, desto größer ist die Zuweisung des Charaktermerkmals „gut“ oder damit einhergehend „ungefährlich“. Diese Abneigung, die immer in Reflexion und Abgleichung mit dem Selbst geschieht, verdrängt die eigene Fehlbarkeit und die Unvollkommenheit, in dem alles Andersartige, Veränderte, Unbekannte von vornherein ausgeschlossen wird. Für die Medien bedeutet dies, dass vor allem im filmerischen Bereich die Entfremdung nicht zu radikal vollzogen werden darf.
Dies entspricht dem Wunsch des Menschen sich nicht nur real, sondern auch auf einer rein fiktionalen Ebene mit seiner eigenen Spezies identifizieren zu wollen, um im Zusammenschluss den Kampf gegen eine feindlich gesinnte Macht aufzunehmen.
Die Antwort auf die Frage warum der Mensch sich immer wieder auf sich selbst bezieht, liegt irgendwo im Anthropozentrismus  verborgen.(4) Der Mensch geht davon aus, dass er selbst das Zentrum der Welt ist und zwar der gesamten Welt. Das Maß aller Dinge. So wurde das Weltbild, vor allem die Vorstellung über den Raum und die Schöpfung im Zeichen der Renaissance formuliert.
In dieser Richtung resultiert auch zwangsläufig die Schlussfolgerung, dass eine fremde Spezies eines anderen Planeten sicherlich auch humanoide Züge tragen wird.
Diese Wahrscheinlichkeit ist allerdings so gering, wie das Universum groß ist. Es bezweifelt sicherlich niemand, dass die Möglichkeit einer existierenden Lebensform im Universum besteht. Allerdings wäre es ein sehr großer Zufall, wenn genau diese Lebensform menschenähnliche Züge tragen würde.
Da es keinerlei nachweisbare wissenschaftliche Grundlage gibt, bleibt den Autoren und Künstlern nur übrig, ihre eigenen Fantasie zu gebrauchen. Für den einen eine Wohltat ,für den anderen sein Leid. Es fehlen die Größenangaben, die Proportionen, die charakteristischen Merkmale, jeglicher Anhaltspunkt muss frei gewählt werden. Die Wahl steht zwischen dem Zufall und der Verlegenheit sich und seine Ideen nicht neu erfinden zu können.
Es beginnt zwar nicht bei H.G.Wells, jedoch ist sein Roman einer der klassischen Beispiele, wie sich das Bild in unseren Köpfen entwickelt hat: fremde Spezies, mit bösen Absichten, die uns Schaden zufügen will. Bis heute hat sich dieses Schema in der Welt der Fiktion kaum gewandelt.
Es gibt keine Möglichkeit hier einen Schlussstrich zu ziehen. Die wirklichen Fakten sind dürftig. Der Nachweis erdähnlicher Planeten im Universum scheint bewiesen und akzeptiert. Auf ein Signal jedoch wartet man schon lange und bis jetzt vergebens. Am Beispiel von „Hubble“(5)  oder „SETI“(6)  sieht man, dass die Anstrengungen nicht gerade gering sind.
Einmal der Versuch mit starken Teleskopen die Umgebung der Erde visuell zu erfassen und eventuell einen erfolgreichen Fund zu verzeichnen oder das Programm zur Erfassung von Strahlen und Wellen aus dem Orbit. „Search for extraterrestrial Intelligence“. Zum Anderen die Beobachtung des Weltraums mit Radioteleskopen, um mögliche Signale eines anderen Planeten zu empfangen. Wo sind sie und wo stecken sie wenn man sie so sehnlichst herbeiwünscht?.
Das Fermi-Paradoxon(7) , 1950 durch den Physiker Enrico Fermi formuliert, liefert eine mögliche Erklärung für die Schwierigkeiten, die der Wissenschaft ihre Visionen raubt. Fermi behauptet darin, dass die Entwicklung des Universums nun schon so lange gebraucht hat, dass die Wahrscheinlichkeit, eine intelligente Lebensform hätte schon längst versucht Kontakt aufzunehmen oder begonnen andere Planeten zu kolonisieren, sehr groß wäre. Wenn dies der Fall ist, hätte man längst Spuren finden müssen. Allerdings stellt sich an dieser Stelle immer noch die Frage, wonach eigentlich gesucht werden muss? Oder sind wir tatsächlich einzigartig?
Die ganze Mühe scheint hoffnungslos und die Illusion muss irgendwie aufrechtgehalten werden. Nicht nur um eine Form der Erlösung zu finden sondern um einige wichtige Fragen über uns selbst aus dem Weg zu Räumen.
Im Werk „Von den Bewohnern der Gestirne“ beschäftigt sich Immanuel Kant schon 1755 mit möglichem extraterrestrischem Leben. In der zweiten Hälfte des 19. Jhdt. nehmen die Spekulationen, ausgelöst durch die Evolutionstheorie zu. Diese erklärt die  Entwicklung intelligenter Lebensformen durch Mutations- und Selektionsprozesse. Einfache Lebewesen werden zu immer komplexeren und schließlich intelligenten Lebensformen. Diese logische Erklärung wurde in der Vorstellung auch auf andere Planeten übertragen.
Die Meldungen von angeblichen Sichtungen oder sogar Kontakten sind vielfältig. Verschwörungstheorien werden formuliert, Sichtungen werden aufgezeichnet, Spekulationen an- und Hypothesen aufgestellt. Einige Behauptungen führen sogar zu dem (Irr)glauben, dass Außerirdische bereits seit einiger Zeit unter uns Leben. Da die meisten Vorgänge jedoch rational erklärbar sind und somit ein mögliches Horrorszenario nach dem anderen aus dem Weg geräumt werden kann, bleibt erneut nur die Flucht in die Fiktion.
Das Genre, dass sich am intensivsten mit diesen Gedanken auseinandergesetzt hat, ist dass des Science Fiction. Hier erfolgt die Verbindung von Fiktion und der wissenschaftlichen Komponente. Auf der einen Seite die Erschaffung eines fiktionalen schillernden Alien-Zoos, ein bunt gemischtes Konglomerat von Figuren, Gestalten, Ungestalten und Geistwesen. Auf der anderen Seite steht die Modernisierung und die Vision in die Zukunft: neue Techniken, neue Möglichkeiten und somit neue Chancen zu erhalten.
Ob Realität oder Fiktion, am Ende steht hoffentlich nicht das Szenario, um nochmals den Roman von H.G. Wells aufzugreifen, dass nur der Überlebenswille der Menschheit ausschlaggebend für die Entdeckung eines anderen bewohnbaren Planeten oder einer anderen intelligenten Spezies ist. Wann oder in wie weit die Fiktion zur Realität wird bleibt reine Spekulation. Die Wünsche sind vielfältig und kaum zu überblicken, geschweige denn zu erfüllen. Vielleicht kommt uns doch jemand „anderes“ zuvor.
Am Ende müsste die Spezies Mensch nach Wells Vision seine Existenz auf seinem eigenen oder einem anderen Planeten erkämpfen. Bestenfalls jedoch bleibt dieser Kampf für immer ein Teil reiner Fiktion.

Florian Baumgartner

(1) 1898 veröffentlichtes Buch von H.G. Wells. Deutscher Titel: „Der Krieg der Welten“
(2) „ALF“, 102 teilige in den USA zwischen 1986-1990 produzierte Sitcom. ALF steht für „Alien Life Form“ oder in der deutschen Übersetzung „Außerirdische Lebensform“. Deutsche Erstausstrahlung: 5. Januar 1988 auf ZDF.
(3) Aurel Thomas Kolnai * 1900 in Budapest, † 1. Januar 1973 in Milwaukee. Ungarischer Philosoph und konservativer Denker, der vor allem mit Theorien zur Moral und zu den Emotionen bekannt geworden ist.

(4) Anthropozentrismus bedeutet, dass sich der Mensch als Mittelpunkt der weltlichen Realität versteht.Ableitung: griechisch.: ánthropos = „Mensch“, lat.: centrum = „Mittelpunkt“
(5) Das Hubble-Weltraumteleskop ist ein teleskop für sichtbares Licht, Ultraviolett- und Infrarotstrahlung, das die Erde in einer Höhe von 590 Kilometern innerhalb von 97 Minuten einmal umkreist. Das Teleskop entstand aus der Zusammenarbeit der NASA und der ESA und wurde nach dem US-Astronomen Edwin Hubble benannt.

(6) SETI: „Search for Extraterrestrial Intelligence“, auf deutsch: Suche nach außerirdischer Intelligenz, ist ein Programm zur Beobachtung des Himmels mit Radioteleskopen um eventuelle Signale aus dem Universum zu empfangen.
(7) Ein Widerspruch, den der Physiker Enrico Fermi 1950 aufzeigte. Das Paradoxon hinterfragt die Wahrscheinlichkeit außerirdischen, intelligenten Lebens. Es versucht, eine grundlegende Frage zu beantworten: „Sind wir Menschen die einzige technologisch fortschrittliche Zivilisation im Universum?“.

http://www.iliveutopia.com

http://www.florifan.de

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